Wenn Dir Dein Körper sagt, wo es lang geht, dann höre doch lieber darauf!

Diese Lektion musste ich erneut schmerzlich lernen! Wir sagen uns doch immer Gesundheit geht vor, doch selbst halten wir uns doch nicht wirklich daran. Solange der Körper irgendwie mitspielt schaffen wir doch einiges mehr. Alles, was in unserem Kopf vorgeht, können wir auf eine gewisse Art und Weise immer wieder verdrängen und halten noch ein wenig länger durch. Doch irgendwann sagt der Körper STOP!

Jeder der mich kennt weiß, dass ich für viele Aktivitäten zu haben bin. Auch das ich mich nicht wie 43 Jahre fühle. Meine Psyche und mein Körper sehen das ein wenig anders.

Angefangen hat alles irgendwie im Frühling. Da habe ich festgestellt, dass in meinem Leben nicht mehr alles so rund läuft wie ich es mir gewünscht hätte. Das ging von Appetitlosigkeit bis Schlaflosigkeit, dann zu viel Schlaf sogar bis zur Reizbarkeit und Antriebslosigkeit habe ich alles durchgemacht. Es gab Tage da fand ich mich selber unerträglich, habe aber nicht herausgefunden woran das liegen könnte.

Natürlich habe ich mir so meine Gedanken gemacht. Ich habe auch einige Punkte gefunden, wo ich festgestellt habe, dass ich mit der Situation nicht so glücklich bin. Diese habe ich versucht zu ändern, aber manchmal ist es alleine einfach nicht machbar.

Auch lag es nicht immer in meiner Macht, dass ich gewisse Situation ändern hätte können. So z.b. meine Arbeitssituation. Ich wollte – doch ich konnte sie nicht ändern. Ewig wurden mir Arbeitsmaßnahmen angeboten oder irgendwelche Zeitarbeitsfirmen. All das habe ich schon durch gehabt und ich wusste, dass das nichts für die Zukunft ist. Ich wollte richtige Arbeit, auf die ich aufbauen kann und nicht nur einfach vom Arbeitsmarkt verschwinden. Doch war ich überhaupt in der Lage dazu? Sowohl körperlich als auch psychisch. Da kam wieder meine Psyche ins Spiel. Die mir in letzter Zeit so oft einen Strich durch die Rechnung im ganz normalen Alltag gemacht hat. Erneut kamen die Depressionen zurück.

Es muss erstmal eine Auszeit her!

Wie wir alle wissen ein Unglück kommt selten allein. So hatte ich eines Morgens beim Duschen in meiner Brust eine Verhärtung festgestellt, die sehr schmerzte. Mit Zysten oder Verhärtungen haben wir ja alle schon irgendwie mal zu tun gehabt. Dieses Mal aber war es anders, dieses Mal jagte mir dieses Gefühl ein Schauer über den Rücken. Ich wurde mit purer Angst überflutet und stand in der Dusche und habe geweint. Nie in meinem Leben habe ich mich so einsam gefühlt. Mein Gefühl sagte mir diesmal ist es ernst.

Ich hatte sogar einige Tage gebraucht, bevor ich mit meiner Familie und Freunden reden konnte. Da ich selbst nicht wusste wie ich damit umgehen sollte.

Die Schmerzen wurden so stark, dass ich nicht mehr auf meinem Bauch oder auf der Brust liegen konnte. Selbst mein BH konnte ich schon nicht mehr richtig tragen auch war es unmöglich die Brust anzufassen. Die Schmerzen waren dann schon so unerträglich als dann endlich meinen Termin hatte. Der erste Besuch bei meiner Ärztin verhieß nichts Gutes. Beim Ultraschall war es nicht eindeutig zu erkennen, ob es eine Zyste sein könnte. Sie klärte mich auf und meinte es besteht noch eine kleine Chance, dass es eine Zyste sein kann. Doch sie war sich nicht sicher und wollte keine abschließende Diagnose geben. So ging ich also von meiner Frauenärztin weg, ohne wirklich mehr Informationen zu haben. Dieses Gefühl war einfach so schrecklich, man fühlt sich so im Stich gelassen!

Ich wurde zu einem anderen Frauenarzt Arzt überwiesen, bei dem ich dann eine Mammografie bekam. Natürlich war die Wartezeit hier für Kassenpatienten wieder mal unnormal lang. Ich hatte Glück und konnte mit einem kleinen Trick die Wartezeit von 3 Monaten auf eine Woche verkürzen.

Mittlerweile sind zwei Wochen vergangen und ich wusste immer noch nicht was ich habe. Dr. Google hat natürlich gesagt, dass ich bald sterben werde. Dem wollte ich aber nicht nachgeben. Trotzdem macht man sich ja so seinen Kopf denn meine Familienvorgeschichte ist ja auch sehr Krebs belastet.

Ich fragte mich, ob jetzt mein Zeitpunkt gekommen ist. Ob ich jetzt dran bin denn meine Eltern haben auch ziemlich lange gelitten. Die größte Angst aber machte mir die Frage „was dann?“. Was mache ich dann, was passiert mit mir, wie soll mein Leben weitergehen, kann das alles das gewesen sein? Tag und Nacht quälten mich so viele Fragen. Und ich merkte ich versank in ein tiefes Loch.

Es ist noch nicht so lange her, dass ich aus meinem letzten Loch aus gekrabbelt bin und das doch irgendwie geschafft habe mich wieder ein wenig aufzurappeln. Jetzt kommt die nächste Keule und ich weiß nicht wie ich damit umgehen sollte. Es nahm einfach kein Ende.

Endlich kam der Tag….

Und ich kam auch schnell dran. So doof sich das anhört ich hatte mich darauf gefreut, dass alles endlich hinter mich zu bringen. Die Mammografie verlief natürlich schmerzhaft doch sie war relativ schnell vorbei. In der Hoffnung gleich meine Diagnose zu bekommen wurde ich auch dieses Mal enttäuscht. Natürlich musste ich einige Zeit warten bis der Arzt mir die Diagnose dann auch persönlich mitteilte. Das Gespräch mit dem Arzt zog sich in die Länge denn er musste mir ja erstmal einiges erklären. Irgendwann habe ich ihn einfach unterbrochen und gefragt, ob ich nun Krebs habe. Daraufhin schaute er mich an und sagte „Nein haben sie nicht, aber ihre Zysten sind mit Eiter gefüllt und sie haben sich sehr verhärtet. Daher konnte man sie nicht so leicht erkennen.“

Vieles von dem, was er danach sagt, habe ich nicht mehr so richtig im Kopf. Denn mir fiel ein Fels von meinem Herzen. Ich war sowas von erleichtert und fing an zu zittern und war von meinen Gefühlen überwältigt. Er bat mich dann in das andere Zimmer wo sich das Ultraschallgerät befand und wir haben dann eine Punktion durchgeführt.

Danach ging ich wie auf Wolken nach Hause. Auch wenn es doch nicht so schlimm ist, wie am Anfang gedacht, blieb ein komisches Gefühl bei mir zurück. Nach einiger Zeit stellte ich fest, dass diese Angst einfach nicht mehr richtig verschwinden will. Sie hat sich einfach bei mir eingenistet. Nun ich bin eben 43 Jahre und fühle mich eigentlich nicht so. Doch mein Körper sagt mir immer mehr, dass ich mich ein wenig zurücknehmen muss, ob ich will oder nicht.

Ich habe noch ein paar und Nachuntersuchung machen müssen. Auch werde ich in Zukunft öfters zum Ultraschall und mich abtasten lassen müssen. Denn meine Vorgeschichte lässt sich nun nicht mehr ändern.

All dies hat mich einfach dazu gebracht etwas kürzer zutreten und mich aus der virtuellen Welt ein wenig zurückzuziehen. Diese Monate haben mir wirklich gutgetan und ich konnte mich auch meinen Ängsten mehr stellen. Mittlerweile haben sich viele gute Dinge ereignet, auch konnte ich die negativen Gefühle die mich vorher belastet haben zum Teil loswerden oder besser damit umgehen.

Ich habe den Sommer so gut es ging mit Familie und Freunden sehr genossen. Auch habe ich mich dazu entschlossen eine Ausbildung zur Kauffrau für Büromanagement zu beginnen. Diese läuft nun schon seit einigen Wochen und ich muss mich da noch ein bisschen einfinden. Aber auch das werde ich schaffen.

Das war natürlich nicht alles was passiert ist, aber ich wollte euch erstmal einen kleinen Einblick geben.

Aber, das wichtigste, was ich diesmal richtig gelernt habe, ich bin eben keine 29 mehr und sollte doch öfters und intensiver auf meinen Körper hören.

14 Comments

  • Andrea

    Egal in welchem Alter, auf den eigenen Körper zu hören ist so wichtig. Das hast du schön geschrieben und ich hoffe dass da bald wieder mehr Blogposts kommen, gerne auch zu persönlichen Themen!!

    • Astrid Scholz

      Hallo liebe Nancy . Es ist bewundernswert das du vertrauen hast uns diese Zeilen aus deinem Leben leben uns mitzuteilen . Fühl dich gedrückt mein Herz, ich verstehe deine Gefühle, und auch deinen seelischen Schmerz. Denn ich habe meinen Mann an den Krebs verloren . Meine Mutter, Schwiegermutter ihren Mann. Und 2 andere Familien Mitglieder noch . Ich wünsche dir ganz viel Kraft, und das es wieder Sonnenschein in dein Herz kommt . Gl Astrid 😍❤ps.hoffe sehr für dich das nicht,s mehr nachkommt mit der zyste!

  • Melanie Grupski

    Hallo Nancy Hut ab vor soviel Mut.
    Ich freue mich riesig dass es „nur“ Zysten sind,
    die sind auch nicht so toll aber verschwinden meist
    allein wieder =)
    Und ja man sollte öfter auf seinen Körper hören.
    Ich wünsche dir Viel Kraft und viel Spass mit deiner Familie.

  • Steffi Missner

    Liebe Nancy,

    es tut mir sehr leid, dass du so eine schwere Zeit hinter dir hast. Ich weiß leider aus eigener Erfahrung sehr gut, wie das ist. Jetzt kannst du hoffentlich bald wieder nach vorne blicken und die Ängste nach und nach abschütteln.
    Ich wünsche dir von Herzen alles Gute und wieder mehr Gelassenheit.

    Liebe Grüße,
    Steffi

    • Nancy Mostafa

      Liebe Steffi,
      die ersten Schritte in die richtige Richtung sind getan, ich hoffe sehr das es so bleibt. Ich danke dir vielmals.
      Ich sende Dir herzliche Grüße und freue mich dich spontan bald wiederzusehen.
      Deine Nancy

  • Jasna Rief

    Liebe Nancy ,
    Ich wünsche dir für Deine Zukunft alles liebe. Gottseidank ist es nicht die schei…. Diagnose gewesen. Ich freue mich sehr für dich das du aus diesem tiefen Loch Stück für Stück nach oben gekommen bist und bin mir sicher das alles wieder besser wird. Braucht manchmal leider alles seine Zeit.
    Drücke dich ganz feste.😘❤️🍀🐞
    Jasna Rief

  • Marcel

    Hey Nancylein

    … ohjee… was du da jetzt durchgemacht hast ist echt nicht schön!
    ich will gar nicht wissen, wie man sich in so einer Situation fühlt.

    Aber bist trotzdem stark genug geblieben und hast am Ende auch ein positives „Ergebnis“ bekommen.

    Super, wenn Dir die Auszeit weitergeholfen hat und du diese auch „richtig“ genutzt hast – kann auch nicht jeder 🙂

    JA, 43 sind keine 29, das stimmt, aber mach trotzdem einfach weiter, wie du dich fühlst – Du bist eine Starke Frau!

    Liebe Grüße
    Marcel 🙂

      • Claudia Böttcher

        Hallo, liebe Nancy!
        Zuerst einmal vielen Dank für Deine Offenheit!
        Ich habe auch 10 Jahre lang unter Depressionen gelitten u. kann jetzt mit dieser Krankheit ganz gut leben.

        Ich muss Medis nehmen, die ich ganz bestimmt nicht mehr einfach absetze!
        Und was mir wirklich sehr geholfen hat, sind Freunde u. Familie u. vor Allem mein Glaube an Gott!
        (Auch wenn ich damit wieder unsäglich polarisiere…🙄)

        Leider sind diese Krankheiten in dieser oberflächlichen Welt immer noch am Zunehmen. Alles dreht sich letztendlich um das Geld. Das Individuum, ob Mensch oder Tier zählt nicht mehr…

        Aber deshalb ist es umso wichtiger, ehrlich zu sein, davon zu erzählen!
        Denn leider gibt es immer noch Menschen, die diese Krankheit verleugnen, sie bagatellisieren!

        Ich habe schon bei einer Kollegin von Dir, die unter Borderline leidet, geschrieben: Nur wenn wir laut werden, die riesengroße Gruppe von Psychisch kranken Menschen, dann werden wir gehört, dann passiert endlich was!

        Also: Viel Kraft, für alles, was Du anpackst, versuche Deine Lebensziele zu verwirklichen!
        (Ich habe gelernt, daß Einem die Wünsche (bei mir Gebetsanliegen) erfüllt werden, nur halt nicht so u. zu dem Zeitpunkt, wie wir das gerne hätten!)

        • Nancy Mostafa

          Liebe Claudia,
          Auch dir möchte ich danken für deine Offenheit, denn ich weiß, dass es nicht immer leicht ist.
          Depressionen sind für mich noch etwas „neu“, denn es sind bei mir gerade mal „nur“ 4/5 Jahre. Sie zeigen sich immer wieder in einer neuen Form und lassen sich nicht immer erkennen. Die ersten Schritte habe ich auch schon dagegen übernommen, aber Tabletten brauche ich noch nicht.
          Der Glaube ist mir auch sehr wichtig und ich teile deine Meinung das eben nicht alles dann eintrifft, wann und wo man es sich wünscht. Aber es kommt, immer dann wenn man es schon fast vergessen hat. Ich glaube auch das alles seinen Sinn im Leben hat, sowohl positive als auch negative Erfahrungen. Die letzteren machen einen nur stärker und man sollte trotzdem das positive im negativen Sehen.
          Ich sende dir herzliche Grüße
          Deine Nancy

  • Heike

    Liebe Nancy,
    so ein tiefes Loch hat sich da für dich aufgetan, ich freue mich, dass du wieder raus krabbeln konntest, eine Ausbildung startest.
    Gottseidank hat sich diese schreckliche Diagnose nicht bestätigt.
    Ich drücke dich gaaaanz feste.
    Deike Heike

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